radula


Was ist eine Radula?

Radula ist lateinisch und bedeutet auf Deutsch "Kratzeisen" oder "Raspel". In der Biologie wird damit die Reibzunge von Weichtieren bezeichnet. Die Radula dient zum Abraspeln, Zerkleinern und Einholen der Nahrung. Fleichfressende Arten nutzen die Raspelzunge auch zum Packen und Festhalten ihrer Beute.

Welche Tiere haben eine Radula?

Die Radula ist bei fast allen Weichtieren ein charakteristisches Mundwerkzeug, deswegen stellt sie auch ein gemeinsames Merkmal dieser Gruppe dar. Ausnahmen sind Muscheln, die ihre Nahrung aus dem vorbeischwimmenden Wasser filtrieren, sogenannte Filtrierer, sowie einige Würmer oder Schnecken, die sich saugend ernähren. Die Radula gibt es in vielen verschiedenen Formen und sie ist ein gutes Beispiel für die Anpassungsfähigkeit von Weichtieren an ihre natürliche Umgebung.



Wie ist eine Radula grundsätzlich aufgebaut?

Die Radula ist eine aus Chitin bestehende, zungenartige Lamelle in der Nähe der Mundöffnung. Bei den meisten Tieren ist sie mit regelmäßig angeordneten Zähnen, die ebenfalls aus Chitin bestehen, bestückt. Der Stützapparat der Radula wird Odontophor genannt und durch verschiedene Muskelgruppen bewegt. Die Bewegungsabläufe sind artspezifisch und werden in den Artikeln über die verschiedenen Weichtiere näher behandelt. Als ursprünglichste Form der Radula gilt die Raspelzunge der substratabschabenden Weidegänger.

radula

Wie entsteht eine Radula?

In der Radulatasche, die sich in der Nähe der Mundöffnung befindet, bildet sich die Reibezunge durch Drüsensekrete aus. Dabei scheiden spezielle Zellen die Membranteile ab, während wieder andere spezialisierte Zellen die Zähne ausbilden. Abgenutzte Teile der Reibezunge werden in der Radulatasche kontinuierlich neugebildet, so dass die Radula ständig von hinten her wächst.


Welche Variationen der Radula gibt es? Weichtiere sind weit verbreitet und weisen eine hohe Artenvielfalt auf. Als Hauptgrund dafür wird die Erschließung unterschiedlichster Nahrungsquellen, mit Hilfe der artspezifischen Radula gesehen. Aufgrund der unterschiedlichen Lebens- und Ernährungsweise der Weichtiere ist die Radula vor allem im Bezug auf die Zähne bei den verschiedenen Arten stark verändert. Bei einigen Muscheln oder Schnecken wurde die Radula sogar komplett reduziert und fehlt entsprechend. Die bekanntesten Radulaformen wird ihnen dieser Artikel am Beispiel der verschiedenen Schneckenarten näherbringen. Die Ernährung der Schnecken ist vielfältig: es gibt Pflanzenfresser, Aasfresser und räuberische Arten. Genauso vielfältig ist auch die Ausprägung der Radula. Die wichtigsten Typen der Radula sind:

Der docoglosse Typ, die so genannte Balkenzunge ist eine Variation der Radula, die vor allem weidende Pflanzenfresser charakterisiert. Aufgebaut ist die Radula mit einem Mittelzahn, einigen Zwischenplatten, die in einer Querreihe auf beiden Seiten des Mittelzahns stehen, sowie den Seitenplatten, die an die Zwischenplatten anschließen und meist durch Einlagerungen gehärtet sind.

Der rhipidoglosse Typ der Radula, auch als Fächerzunge bezeichnet, besteht aus einem großen Mittelzahn an den sich seitlich Zwischenplatten und Seitenplatten anschließen. Der Typ ähnelt dem docoglossen Typ vom Grundaufbau her und tritt ebenfalls häufig bei Weidegängern auf.

Der am meisten verbreitete Typ der Radula ist der taenioglosse Typ, auch bekannt als Bandzunge. Bei diesem Bautyp besteht die Radula in jeder Querreihe aus einem Mittelzahn, der rechts und links jeweils eine Mittelplatte und zwei Seitenplatten besitzt.

Die Schmalzunge, in der Fachsprache der stenoglosse Typ kommt vor allem bei fleischfressenden Schnecken vor. Die Radula besteht hier aus einem Mittelzahn, je einer Mittel- und einer Seitenplatte auf beiden Seiten.

Der toxoglosse Typ ist die Form der Radula, die am wenigsten der Ursprungsform ähnelt. Die Radularmembran ist bei dieser Giftzunge reduziert und die Radula besteht nur aus wenigen pfeilförmigen Zähnen, die Gift abgeben können. Nach der Nutzung wird der Zahn durch einen Reservezahn ersetzt.


© 2010 Radula.deImpressum